Autor: William Homburg
Datum: 04.08.2023
Kategorie: On Tour

Kanzleibesuch Römermann

Einführung

Am 05. Juli 2023 durfte b{u}ilt die Römermann Rechtsanwälte AG in Hannover besuchen. Die Kanzlei ist wohl vor allem aufgrund ihres Namensgebers bekannt. Herr Prof. Dr. Volker Römermann ist nicht nur Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht und Insolvenzrecht, sondern darüber hinaus u.a. Honorarprofessor an der Humboldt Universität zu Berlin, Certified Professional Speaker und Beirat im Legal Tech Verband Deutschland. Diese Liste ließe sich freilich noch deutlich erweitern. Besondere Expertise weist Herr Römermann zudem im Anwaltlichen Berufsrecht auf. 

Über dies haben die Rechtsanwältinnen Scarlett Matheja, Iris-Synthia Lolou und Rechtsanwalt Hendrik Becker die Veranstaltung um ein Vielfaches bereichert. 

Anwaltliches Berufsrecht und Klageerstellung mit Hilfe von ChatGPT

Zunächst führte Herr Römermann uns in das Anwaltliche Berufsrecht ein. Dabei bekamen wir zuerst einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und den Sinn und Zweck des Anwaltlichen Berufsrechts, bevor wir das Gelernte gemeinsam auf den Legal Tech Bereich übertragen konnten. Dabei lag der Fokus besonders auf dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) und der Inkassotätigkeit von Legal Tech Unternehmen. Sodann übernahmen Frau Lolou und Frau Matheja und stellten uns zunächst ein Legal Tech Tool zur KI-basierten Erstellung von Klagen vor. Anhand eines von uns ausgedachten Beispiels verklagten wir Herrn Peter Silie wegen ausgebliebener Mietzahlungen. Das auf ChatGPT basierende Tool kommunizierte alle relevanten Informationen anhand eines Frage-Antwort-Chats und schlug schlussendlich drei Klageschriften vor, die lediglich noch der Feinjustierung eines Anwalts oder einer Anwältin bedurften. Unser Legal Tech Herz schlug logischerweise ganz, ganz schnell. 

Diskussion: Veränderung der Rechtsbranche durch Legal Tech

Im Anschluss gingen wir bei leckeren Häppchen nahtlos in einen äußerst spannenden Austausch über. Neben der Frage, ob Herr Römermann seine LinkedIn Posts eigentlich eigenständig postet, drehte sich unser Diskurs doch in erster Linie um die Auswirkungen von Legal Technology auf die Rechtsbranche und um die Notwendigkeit der Anpassung der juristischen Ausbildung. 

Dabei kamen wir zu einem klaren Ergebnis: Legal Tech wird die Rechtsbranche nachhaltig verändern. Jedoch werden die Auswirkungen in den verschiedenen Fachrichtungen je nach Grad der Standardisierung unterschiedlich stark ausfallen. Zudem waren sich alle darüber einig, dass Künstliche Intelligenz bereits jetzt ein enormes Potenzial bietet, welches allerdings einem stetigen Feinschliff in den nächsten Jahren bedarf. Zuletzt herrschte auch Einigkeit über die Art und Weise der Nutzung von Technologie Tools. Diese sollten mehr als Assistenten zur menschlichen Arbeit, denn als Ersatz jener betrachtet werden. Über dies müssten alle Player der Rechtsbranche am Wandel beteiligt werden, da besonders Gerichte mit umfangreicheren Klagen durch automatisierte Schriftsatzerstellung konfrontiert würden, denen zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch fast ausschließlich menschliche Arbeitsleistung gegenübersitzt. 

Dem technologischen Anspruch an die Rechtsdienstleistung müssen allerdings auch die Universitäten gerecht werden. In diesem Zuge kam vor allem die Forderung nach mehr Interdisziplinarität in der juristischen Ausbildung auf. Weiter bedürfe es mehr praktischem Input im Hinblick auf Einsatzmöglichkeiten von Technologie bei der juristischen Arbeit. Hierbei wurde der Unterschied zwischen der Digitalisierung des Rechts und des Rechts der Digitalisierung wieder einmal deutlich. 

Der gesamte Verein bedankt sich herzlich bei der Römermann Rechtsanwälte AG für einen spannenden, aufregenden und vor allem aufschlussreichen Tag in Hannover! 

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